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Kategorie: Denkmale

Information über Denkmäler

Aus Bauschutt gerettete Grabkreuze von 1691

Aus Bauschutt gerettete Grabkreuze von 1691

Fragmente eines Grabsteins von 1691 

im Lapidarium des Bürgermeister-Stroof-Hauses

„Das Ramersdorfer Maubachskreuz“

2023 von Familie H. Georg Richarz / Birgit Schuh bei Bauarbeiten in Ramersdorf, Grundstück an der Holzgasse/Ecke Gallusstraße, aufgefunden – in dort im hinteren Grundstücksbereich, vermutlich nach 1945 abgekipptem Bauschutt, dessen Herkunft unbekannt war. Das Objekt wurde dem Denkmal- und Geschichtsverein 2023 zu treuen Händen überlassen. Es ist im Hof des Bürgermeister-Stroof-Hauses (Montage an Ziegelsteinmauer) dauerhaft ausgestellt.

 Zwei ramponierte Stücke mit alten Bruchstellen

Das Objekt, aus Siebengebirgs-Andesit (Latit), ist das Rumpfstück eines ehemaligen Grabsteins in der historischen Kreuzesform („Grabkreuz“). Es ist in zwei Teile zerbrochen, die beide überdies stark ramponiert sind. Das Fußteil (als Erdfundament) fehlt völlig; abgeschlagen ist auch der linke Kantenbereich, zum Teil auch unter Einbuße von Text, während auch oben und rechts unten erhebliche Beschädigungen zu beklagen sind. Zudem ist das verbliebene Rumpfteil (Textfläche) quer in zwei, unterschiedlich große Stücke zerbrochen. Alle Bruch- und Schadstellen sind alt. (Ganz oben rechts ist zusätzlich eine rezente Metallgreifspur sichtbar.). Der Bruch zieht sich quer am Übergang des schmalen oberen Teils in den mittleren Hauptteil (Querarme) hindurch. Von der Gesamtbeschädigung ist aber der Textspiegel wenig beeinträchtigt; vor allem ist er in keiner Weise etwa abgewittert, weshalb er gut lesbar geblieben ist und die Fehlstellen sich weithin ergänzen lassen.

Typisches Volutenkreuz der Zeit

Das Objekt ist ein sogenanntes Volutenkreuz mit erhabener gestufter Randleiste; seine beiden Arm-Enden sind nicht gerade, sondern laufen mittig im stumpfen Winkel zu. Die Voluten in den vier Ecken sind eingerollt; allerdings ist nur eine einzige vollständig erhalten. Die in Großbuchstaben (Kapitalis) gefasste Schrift ist gleichmäßig verteilt und sorgfältig eingehauen. Die Wörter-Trennung erfolgt durch die üblichen Dreispitze. Bei den kapitalen Buchstaben N wird im Wort ANNO die seitenverkehrte Form verwendet. Das Genetiv-I von AVGVSTI ist aus Platznot auf die untere Randleiste gerückt. Zusammenschreibungen (Ligaturen) zeigen sich in den Worten MARGARETHE und EHEGEMAHL: Hier sind die Buchstaben A und R beziehungsweise H und E miteinander verwoben. Das Schluss-S am Namen Klockers ist, weil hinzugefügt, Zeichen für eine weibliche Namensträgerin.

Der Text auf dem linken Kreuz                        

AN N O
I  6  9  I .
DEN.ZO
AVGVSTI.
(ST)ARB . MARGARE
(THE) . KLOCKERS  .
(…IO .)HAN . MAVB
ACHS
EHEGE
MAHL 

> ANNO 1691, DEN 20. AUGUSTI  STARB  MARGARE KLOCKERS, HAN MAUBACHS EHEGEMAHL <

Da die Kirchenbücher von Sankt Gallus erst im 18. Jahrhundert einsetzen, lassen sich darin keine genealogischen Hinweise auf die früheren Familien Klocker und Maubach ausmachen. Feststehen dürfte aber, dass nicht Klocker wohl aber Maubach ein alter Name aus der Gallus-Pfarrei ist. Denn im heutigen, um 1950 errichteten Grabkreuzegarten steht immerhin ein weiteres Kreuz mit diesem Namen, vielleicht das ausdruckstärkste überhaupt, ist es doch das einzige bildhauerisch mit einem Corpus ausgeformte (sogenannt „Bauernchristus“). Diese Familie muss seinerzeit zu den wohlhabendsten der die Orte Küdinghoven, Limperich und Ramersdorf sowie Holtorf umspannenden Pfarrei gezählt haben.

Kulturgut – als Baumaterial zweckentfremdet

Das – hier – so genannte Ramersdorfer Maubachskreuz dürfte zum ehemaligen, aus dem Mittelalter herrührenden Kirchhof rund um den alten St. Gallus-Kirchenbau (Langhaus mit Seitenschiff, westlich (!) des Turms), gehört haben. Im Zuge der Erbauung des heutigen Langhauses (bergseits des Turms) um 1845 und der damit einhergegangenen Neuherrichtung des Kirchplatzes wie auch des heutigen bergseitigen Friedhofs ist es vermutlich für die damals bereits wenig beachteten, weil „alten“ Grabkreuze zu keiner systematischen Neuaufstellung gekommen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass dabei auch Zugriffe von außen möglich waren. In diesem Zuge könnte auch das Klockers-Maubach-Kreuz entfernt – und auch wohl bewusst zerbrochen und als Baumaterial zweitverwendet worden sein. Von daher dürften auch die der Bildseite heute noch anhaftenden Kalkmörtelreste, also aus dem 19. Jahrhundert, rühren.

Bei dem „Ramersdorfer Maubachskreuz“ handelt es sich um ein Zeugnis seiner Ursprungszeit, der Sepulkralgepflogenheiten des 17. Jahrhunderts, weshalb es als wichtiges Kulturgut wertgeschätzt werden sollte und denkmalrechtlichen Schutz erfahren muss.

( C ) Carl J. Bachem, 1.7.2024 / 6.9.2026