HISTORISCHE INFORMATIONEN ZUR ALTEN JUTESPINNEREI

Auf dieser Seite erhalten Sie weiterführende Informationen zur Alten Jutespinnerei vom Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch e.V.

Die Alte Jutespinnerei

Architektur
Das Fabrikgelände der ehemaligen Jutespinnerei in Beuel wurde in zwei wesentlichen Bauphasen errichtet. 1868 wurde der große Spinn- und Webraum errichtet. Dabei handelt es sich um ein Backsteingebäude mit Ziergiebeln und zum Teil hohen Rundbogenfenstern. Dieses wurde 1898 entlang der Siegburger Straße erweitert, sodass die bebaute Fläche nun doppelt so groß war, wie zuvor. Das Kesselhaus mit dem 46 Meter hohen Schornstein gehört ebenfalls zu den ursprünglichen Gebäuden der Anlage. Die Direktorenvilla befindet sich in stark veränderter Form auf der gegenüberliegenden Seite der Siegburger Straße.

19. Jahrhundert
Die 1868 von dem Unternehmer Alfred Hieronymus gegründete „Vereinigte Jutespinnerei und Weberei AG“ beschäftigte zeitweise über 1000 Mitarbeiter, was sie zu einem der damals größten Beueler Industrieunternehmen machte. Die Produktion umfasste die Verarbeitung der Rohfasern aus Indien und Pakistan bis zum fertigen Gewebe. Die Rohjute wurde, bis zum Bau der rechtsrheinischen Eisenbahn, auf Kähnen von Rotterdam bis zur Beueler Werft in der Nähe der heutigen Kennedybrücke transportiert. Aus dem groben Gewebe wurden unter anderem Säcke für die Zementfabrik bei Oberkassel hergestellt.

Die Wirtschaftskrise in den 1870er Jahren führte zur Neugründung unter dem Namen „Westdeutsche Jutespinnerei und Weberei“ im Jahre 1887. In den Jahren 1898 und 1899 wurden an der benachbarten Josef-Thiebes-Straße und an der Paulusstraße Reihenhäuser als Arbeiterunterkünfte errichtet, welche bis heute bestehen.

20. Jahrhundert
Wegen Rohstoffmangels während des Ersten Weltkrieges konnte die Produktion erst 1924, als Teil der Firma „Vereinigte Jutespinnereien und Webereien AG, Hamburg“, wiederaufgenommen werden. Bis zum Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Unternehmen insgesamt bis auf einzelne Krisen gut. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Zwangsarbeiter aus Polen, Frankreich und den Niederlanden in der Fabrik eingesetzt: „Der größte Arbeitgeber von polnischen Zwangsarbeitern in Bonn war die Jutespinnerei im Stadtteil Beuel. Die Jutespinnerei bezog ihre Arbeiter direkt aus zwei polnischen Städten. Von 1939-1945 waren 2300 polnische Zwangsarbeiter und 3200 polnische Kriegsgefangene in Bonn.“ (www.hsozkult.de)

Am 4. Februar 1944 wurden die Gebäude bei einem Luftangriff größtenteils zerstört. Die Produktion war bereits 1945 wieder im Gange und die Zahl der Beschäftigten stieg bis in die 1950er Jahre auf 500 an.
Durch das Angebot von günstigeren Juteprodukten aus den Anbaugebieten Indien und Pakistan sowie der erhöhten Nachfrage nach alternativen Verpackungsmaterialien, stellte der Betrieb 1954 auf Kunstleder und Bodenbeläge um.

Im Jahr 1961 wurde das Gelände von der Dresdner Bank aufgekauft und bis 1965 als Bodenbelagfabrik betrieben. 1965 wurde die Firma dann von der Dynamit Nobel AG aus Troisdorf erworben und firmierte seitdem als Vereinigte Jutespinnereien und Webereien AG. Von 1965 bis 1980 produzierte die ehemalige Jutespinnerei PVC-Produkte für die Troisdorfer Dynamit.

Seit 1981 werden Teile des Geländes für kulturelle Veranstaltungen genutzt, zunächst durch die Stadt Bonn unter dem Namen „Halle Beuel“ und seit Oktober 2016 durch das Bonner Pantheon-Theater. Zudem beherbergen die Gebäude die Theaterwerkstätten der Stadt Bonn.

Baudenkmal
Die Objekte „Fassaden der ehemaligen Jutespinnerei und -weberei“ und „Teile der Arbeitersiedlungen“ in der Siegburger Straße und Josef-Thiebes-Straße sind eingetragene Baudenkmäler (Denkmalliste Bonn, Baudenkmäler lfd. Nr. A 3939, Nr. A 280).

Quelle: Kuladig